Kirche und SPD kein Gegensatz mehr

27. April 2015

Ehemaliger Landtagsvizepräsident Maget auf dem Roten Sofa von MdL Güll Maget: Kirche und SPD kein Gegensatz mehr – Nächstenliebe (Kirche) und Solidarität (SPD) verbinden

Landkreis Dachau – „Was würde Jesus auf die schreiende Ungerechtigkeit bei der Einkommensverteilung auf der Welt sagen?“ Diese Frage stellte Franz Maget, der ehemalige Landtagsvizepräsident und langjährige SPD-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag, in Richtung der beiden großen christlichen Kirchen. Maget war Gast auf dem legendären Roten Sofa des Dachauer SPD-Landtagsabgeordneten Martin Güll im Dachauer Ludwig-Thoma-Haus. In der Veranstaltungsreihe „Treffpunkt Landtag“ stellte Güll das Thema „Kirche und Politik“ in den Mittelpunkt und lud dazu bewusst Franz Maget ein, der Begründer und Vorsitzender des Forum Kirche und SPD ist. Das Verhältnis der Kirchen insbesondere zur Sozialdemokratie war nicht immer so entspannt wie heute. Die Antwort dieser Frage konnte freilich niemand unter den gut 50 Besuchern an diesem Abend geben. Franz Magets Resümee nach über 90 Minuten Sofagespräch war: war allerdings: „Ich habe keine Zweifel, dass in der sozialpolitischen Agenda große Übereinstimmungen zwischen kirchlichen und sozialdemokratischen Ansichten vorhanden sind.“

Zu Beginn musste Franz Maget allerdings noch einmal ausführlich erzählen, dass er sich als der „Erfinder des Politikers Güll“ sehe. Er nämlich habe als Fraktionsvorsitzender nach einem Treffen in der Indersdorfer Hauptschule zum Thema Ganztagsschule die Erkenntnis gewonnen, „so einer mit viel praktischer bildungspolitischer Erfahrung täte im Landtag gut“. Und als die Dachauer SPD 2008 einen Kandidaten suchte, den Hauptschulrektor Güll den Genossen wärmstens ans Herz gelegt, obwohl er damals noch kein SPD-Mitglied war. „Und man sieht: Das ist manchmal nicht das Schlechteste, einen Quereinsteiger in die Politik zu holen. Schon nach kurzer Zeit haben ihn die Fraktionen zum Vorsitzenden des Bildungsausschusses gewählt.“ Im Ludwig-Thoma-Haus stellte Franz Maget als Autor das Werk „Kirche und SPD, von Gegnerschaft zu Gemeinsamkeiten“ vor. Zum Katholikentag 2014 in Regensburg versammelte er darin als Herausgeber Aufsätze von Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof Ludwig Schick und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sowie von ehemaligen und aktuellen Politikerpersönlichkeiten wie Hans-Jochen Vogel, Wolfgang Thierse, Frank- Walter Steinmeier, Andrea Nahles und Barbara Hendricks. „Ich bin in einem katholischen Haus aufgewachsen, war in meiner Jugend Ministrant und fühlte mich immer der Kirche sehr verbunden“ erzählte Maget. Die Gemeinsamkeiten zwischen Kirche und SPD herauszuarbeiten sei nicht mal anstrengend gewesen. Zwar sei das Verhältnis zwischen den beiden Institutionen rund ein Jahrhundert lang von gegenseitigem Misstrauen geprägt. So soll der SPD-Vorsitzende August Bebel vor rund 140 Jahren proklamiert haben: „Christentum und Sozialismus stehen sich gegenüber wie Feuer und Wasser“. Dieses Spannungsfeld zu beseitigen habe lange gedauert. „Der Umschwung erfolgte fast gleichzeitig auf beiden Seiten mit dem Godesberger Programm vom Jahr 1959 und dem Zweiten Va-tikanischen Konzil ab 1962“, so Maget. Bedeutend sei, dass die Partei damals die Transformation von Arbeiter- zur Volkspartei vollzogen habe. „Die inhaltliche Nähe zwischen christlicher Religion und SPD wurde immer deutlicher, etwa in Themen wie Soziale Gerechtigkeit, Bildungs- oder Flüchtlingspolitik.“ In der lebhaften Diskussion mit dem Publikum, darunter auch Kirchenvertreter und Gemeinderäte, kamen dann auch der Umgang mit den anderen Religionen und die Haltung der Kirchen im Nationalsozialismus zur Sprache. Dass die positiven Entwicklungen zwischen den Amtskirchen und insbesondere der SPD nicht spannungsfrei sind, zeigen die politischen Auseinandersetzungen um das Scheidungsrecht, die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs oder jüngst auch um das kirchliche Arbeitsrecht. „Eine Hortleiterin muss sich auch zu einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft bekennen dürfen, ohne dass ihr kirchlicher Arbeitgeber sie kündigt“, erklärte Franz Maget eindeutig. Hier müsse die Kirche aber selbst ihr Arbeitsrecht neu regeln. Da könne die Politik nicht eingreifen.

Franz Maget als Sofagast bei Martin Güll Über 50 BesucherInnen interessierte das Thema "Kirche und Politik"

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