100 Jahre Freistaat Bayern: „Treffpunkt Landtag“-Veranstaltung in Dachau

Jürgen Zarusky

21. September 2018

Güll fordert: „Demokratische Fitness und mehr politische Bildung“

Vor 100 Jahren rief der unabhängige Sozialdemokrat Kurt Eisner den Freistaat Bayern aus. Die Monarchie war abgeschafft und Bayern wurde zum modernen und demokratischen Rechtsstaat. Das war Anlass für Martin Güll, SPD-Landtagsabgeordneter für Dachau, einen Historiker auf sein Rotes Sofa einzuladen und die Frage zu stellen: „Was können wir heute aus der Revolution 1918 lernen?“

In Güll’s Veranstaltungsreihe „Treffpunkt Landtag“ erinnerte Dr. Jürgen Zarusky an die Entwicklung des Freistaates, die Bedrohung der damaligen neuen Freiheit und das folgende politische Chaos durch das Attentat eines Rechtsextremisten auf Kurt Eisner wenige Monate nach der Revolution. Zarusky: „Der politische Aufstieg der NSDAP wurde dadurch begünstigt und hatte die bekannten weitreichenden und unheilvollen Folgen.“ Der Historiker sprach aber auch sehr deutlich über die Errungenschaften der Revolution, nämlich über das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht für Männer und auch für Frauen. „Ein Meilenstein!“ Es waren die Sozialdemokraten, die nun den Acht-Stunden-Tag durchsetzten und auch in der folgenden Regierung darauf bestanden, dass es ein ganz neues Ministerium geben solle, und zwar das Staatsministerium für soziale Fürsorge. „Die Etablierung der Demokratie in Bayern“, so der Chefredakteur der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, „zählt zu den großen historischen Leistungen der Sozialdemokratie - auch wenn die Staatsregierung sich heute gerne um eine Bagatellisierung der Ereignisse bemüht.“

In der folgenden Diskussion zwischen dem Publikum, Zarusky, Güll und dem Oberbürgermeister von Dachau, Florian Hartmann, der ebenfalls als Gast auf das rote Sofa eingeladen war, ging es vor allem darum herauszufinden, wie junge Leute heute Demokratie lernen und schätzen können. „Menschen meiner Generation“, so Hartmann, „kennen diese Zeit und die Geschichte nur aus Schulbüchern. Demokratie ist ein Geschenk und wir müssen sie aktiv schon bei Jugendlichen erlebbar machen.“ Martin Güll ist der Auffassung, dass politischer Bildung zu wenig Raum in der Schule gegeben wird: „Das muss mehr sein als Sozialkunde oder Geschichte!“, und ergänzt: „Wir brauchen – analog zum Sport – auch die demokratische Fitness.“

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