Staatsregierung muss mehr Abiturienten für Ausbildungsberufe begeistern

23. August 2018

SPD-Bildungssprecher Güll: Zwischenbericht von Kultusminister Sibler zum G9 ist ohne Innovatioinskraft - Neues Ausbildungsjahr startet am 1. September

Angesichts der immer größeren Zahl von Abiturientinnen und Abiturienten in Bayern und des gleichzeitigen Mangels an Auszubildenden macht sich der SPD-Bildungspolitiker Martin Güll für mehr Berufsorientierung an den Gymnasien stark. „Es muss nicht jeder Abiturient auch studieren. Die Abbrecherquote an den Hochschulen liegt bei 30 Prozent. Wenn es uns gelingt, diese jungen Menschen rechtzeitig für einen Ausbildungsberuf zu begeistern, ist allen geholfen.“ Von derzeit 100 Absolventen des Gymnasiums würden nur zwei bis drei eine duale Ausbildung beginnen, erklärt Güll. Um das zu ändern, fordert Güll eine staatliche Informationskampagne über die Vorteile einer Berufsausbildung.

Als „mutlos und ohne Innovationskraft“ bezeichnet der Vorsitzende des Bildungsausschusses im bayerischen Landtag in diesem Zusammenhang den Zwischenbericht von Kultusminister Bernd Sibler zum G9. In einem Schreiben an den Bildungsausschuss legte Sibler die inhaltlichen Eckpunkte dar. „Darin findet sich keine Silbe zu der so dramatisch notwendigen Berufsorientierung im neuen G9“, zeigt Güll sich enttäuscht. Derzeit würden die Jugendlichen am Gymnasium kaum auf die Möglichkeiten der beruflichen Ausbildung hingewiesen. „Offenbar ist der CSU-Regierung gar nicht bewusst, welches ungeheure Potential für Ausbildungsberufe hier verschenkt wird", erklärt der SPD-Bildungsexperte. „Viele junge Menschen und auch Eltern wissen gar nicht, welche hervorragenden Zukunftsperspektiven Ausbildungsberufe bieten. Immerhin sind berufliche Meisterabschlüsse einem Bachelor-Studienabschluss ebenbürtig.“

Am 1. September startet das neue Ausbildungsjahr in Bayern. Nach Angaben des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) kommen derzeit rund 44 000 verfügbare Ausbildungsplätze auf 23 000 unversorgte Schulabgänger. Damit habe sich die Lücke von 21 000 fehlenden Bewerbern binnen Jahresfrist um 42 Prozent vergrößert.

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