Neujahresempfang der SPD im Landkreis Erding

Die Asyldebatte stand im Mittelpunkt beim Neujahrsempfang der SPD im Landkreis Erding. Dort nahm ich gerne als Gastredner am letzten Sonntag teil. Die Integrationsarbeit duldet keinen Aufschub und muss von der ersten Minute an in geeigneter Form beginnen. Dazu müssen wir schnellstens einen Integrationsfahrplan entwickeln. Wir müssen die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger ernst nehmen und nach Lösungen zu suchen, wie die Fluchtursachen bekämpft werden könnten. Denn: Solange die Ursachen der Flucht nicht beseitigt werden, wird es kein Ende der Zuwanderung geben. Wir müssen alles tun, dass die Menschen in ihrer Heimat bleiben und auch wieder dorthin zurückkehren können. Es wird entscheidend darauf ankommen, schnell ein Einwanderungsgesetz auf den Weg zu bringen, um den Menschen in wirtschaftlicher Not eine Perspektive geben zu können, aber auch der durch die demografische Entwicklung entstehenden Lücke wirksam begegnen zu können. Wir müssen diese politischen Aktivitäten auch klar trennen davon, was für die Menschen getan werden muss, die bereits bei uns im Lande sind, egal zunächst, ob und welchen Aufenthaltstitel sie haben. Wir alle können uns nur immer wieder gegenseitig ermahnen, uns zu vergewissern, warum diese Menschen bei uns sind. Die allermeisten Frauen und Männer, Kinder und Jugendlichen haben Schreckliches erlebt, in ihrer Heimat und auf dem oft wochenlangen Fluchtweg. Viele sind hoch traumatisiert, vor allem die Kinder und Jugendlichen. Wir brauchen neben einem Gesundheitscheck auch einen Bildungscheck, damit wir die Bildungsarbeit der Flüchtlinge besser strukturieren können.Diese Aufgabe soll noch in den Erstaufnahmeeinrichtungen geschehen und die Erkenntnisse in einen persönlichen Bildungspass eingetragen werden. All diese Bemühungen werden aber ins Leere laufen, wenn es nicht gelingt, in den Landkreisen passgenaue und ausreichende Angebote für den Spracherwerb und die Integrationskurse vorzuhalten. Und hier kommen alle an ihre Grenzen, die Volkshochschulen, die Schulen, aber auch die Helferkreise. Deshalb brauchen wir jetzt eine Bündelung der Ressourcen und neue Bildungsformate, sonst schaffen wir das nicht bei der großen Zahl an Flüchtlingen, die auf wohnortnahe Kurse dringend warten. Erding ist hier ein gutes Beispiel mit seiner multilingualen Sprach-, Lern-, Bildungs- und Informationsportal für Geflüchtete, Helfer, Gemeinden und Unternehmen. Die Initiatorin Anna Maria Blau von ADIA-Erding hat dieses Projekt entwickelt. Auch die finanzielle Unterstützung des Volkshochschulverbandes im Landkreis Erding durch alle Gemeinden finde ich höchst nachahmenswert. Für die spezielle Herausforderung, möglichst passgenaue Sprach- und Integrationsangebote machen zu können, haben sich alle Gemeinden verpflichtet, pro Einwohner einen Euro bereitzustellen, damit die Volkshochschulen die entsprechende Infrastruktur für diese wichtigen Integrationsmaßnahmen aufbauen können. Diese Unterstützung ist nicht überall so großzügig.

Kindern von Asylbewerbern und Flüchtlingen müssen so schnell wie möglich in den Kindertagesstätten aufgenommen und gefördert werden damit sie für die Schulzeit gut vorbereitet sind. Vor allem auf den Übergang müsse verstärkt geachtet werden. Wir wissen: Die höchste Integrationskraft besitzen Kinder. Niemand lernt die Sprache so schnell wie Kinder, wenn sie sich unter Gleichaltrigen aufhalten. Deshalb ist es notwendig, so schnell wie möglich ausreichend Kita-Plätze bereitzustellen.

Neben den Kitas wird der Schule eine Schlüsselrolle bei der Integration zufallen. Alle Kinder und Jugendlichen müssen schnell grundlegende Deutschkenntnisse erlangen können. Um die soziale Integration zu beschleunigen, sollten die Kinder und Jugendlichen im Schulalter möglichst viel mit Gleichaltrigen zusammen sein. Hier könne der zügige Ausbau der gebundenen Ganztagsangebote extrem wichtig werden. Ein flexibles Lehrerkontingent (Task Force) muss für die Unterstützungsmaßnahmen das ganze Schuljahr über vorgehalten werden und schnell von den Schulleitungen angefordert werden können. Es bedarf einer Fortbildungs-offensive für Lehrkräfte in den Themen „Deutsch als Zweitsprache“ und interkulturelle Kompetenzen. Für die traumatisierten Kinder und Jugendlichen brauchen die Schulen Fachleute wie Schulpsychologen, Heilpädagogen und Sozialpädagogen. Und der Islamunterricht in deutscher Sprache muss flächendeckend ausgebaut werden.

Wenn wir alle zusammenwirken, jeder an seiner und der richtigen Stelle, wird Integration eine richtig gute Erfolgsstory.